Energie

Nicole Sturm: Ideen zum Auftanken

Stell dir folgende Situation vor: Du hattest einen mega-anstrengenden Tag bei der Arbeit. Als du nach Hause kommst, hörst du schon im Treppenhaus das Geschrei deiner sich hingebungsvoll streitenden Kinder. Dein Partner setzt noch einen obendrauf, indem er mit dem Taktgefühl eines Elefanten fragt, ob dein Shirt bei der letzten Wäsche eingelaufen ist – es sitzt so eng. Das ist gewöhnlich der Punkt, an dem man seine Mitmenschen am liebsten dahin wünschen möchte, wo der sprichwörtliche Pfeffer wächst – oder aber sich selbst in eine erholsame Auszeit. Das mit dem Pfeffer ist schnell vom Tisch, denn das klappt sowieso nicht. Letztlich wäre alles ja auch nur halb so schlimm, wenn du nicht so ausgepowert wärst. Was also tun?
Das mit der kleinen Auszeit klingt fabelhaft, nur fehlen dir gute Ideen. „Letztens hatte ich doch noch gedacht, ich könnte mal wieder … wie war das doch? O Mann, warum fällt es mir nicht ein?“ Das nenne ich gerne einen Ideen-Blackout: Alle superguten Ideen, die du schon einmal hattest, sind nicht mehr aufrufbar. Und falls dir doch noch etwas einfällt, dann ist es meist nicht umsetzbar, weil zu zeitaufwendig, kostspielig oder nur in Begleitung machbar. Der Frust ist vorprogrammiert! Aber zum Glück (oder auch nicht) kennen wir das bereits und so greifen wir routiniert zur altbekannten und vielfach erprobten Strategie, die da lautet: „Augen zu und durch!“

 

Willkommen im Club!

Die Situation kommt dir bekannt vor? Dann befindest du dich in guter Gesellschaft! Wann immer ich anderen von meiner Ideen-Blackout-Problematik erzähle, outen sich Menschen, dass es ihnen ganz ähnlich geht. Solang der Stress nicht zu groß ist oder zu lang anhält, sind diese Blackouts zwar ärgerlich, aber nicht weiter tragisch. „Augen zu und durch“ trägt einen erstaunlich weit. Wird der Stresspegel aber zu hoch oder dauert eine belastende Situation länger an, dann geht man schnell auf dem sprichwörtlichen Zahnfleisch – oder brennt aus. Der Mensch ist unglaublich leistungsfähig, aber ohne Auftankzeiten als Ausgleich zu den Herausforderungen des Lebens geht es nicht. Oder zumindest nicht längerfristig und schon gar nicht gesund!

 

Die Sache mit dem Egoismus

„Ich kann mir aber keine Auszeiten gönnen. Das wäre egoistisch.“ Nicht egoistisch sein oder auch die Angst, von anderen so wahrgenommen zu werden, ist ein echtes Problem, wenn es um Selbstsorge geht. Das ist in meiner Coaching- oder Therapiepraxis ein Thema, über das ich oft mit meinen Klienten spreche. Mir ist in diesem Zusammenhang Folgendes wichtig:

  1. Gut für sich zu sorgen, ist nicht egoistisch! Im Gegenteil – es bildet die Grundlage, um die Herausforderungen des Lebens meistern und für andere da sein zu können.
  2. Selbstsorge sollte kein Luxus sein, den man sich ein Mal im Jahr, oder wenn es hochkommt, ein Mal im Quartal gönnt. Sie ist kein Akut-, sondern ein Lebensmittel, das man im Idealfall täglich konsumiert. Regelmäßige kleine Mengen an Selbstsorge sind meist wirkungsvoller als unregelmäßige große.
  3. Selbstsorge und Selbstliebe hängen zusammen: Gott hat den Menschen gewollt, er spricht jedem einzelnen Wert zu. Sich selbst abzulehnen oder als nicht wert genug zu erachten, als dass man gut für sich sorgen sollte, bedeutet, den Wert, den Gott einem zugesprochen hat, infrage zu stellen.

 

Schluss mit den Ideen-Blackouts!

Irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, an dem ich meine Ideen-Blackouts so satthatte, dass ich bereit war, etwas dagegen zu unternehmen. Der Frust war einfach zu groß und „Augen zu und durch“ ist, so musste ich feststellen, keine Dauerlösung. Ich erkannte, dass die Ideen-Blackouts nur eintraten, wenn ich angespannt war. War ich hingegen entspannt, sprudelten die Ideen nur so aus mir heraus. Also beschloss ich, diese guten Zeiten zu nutzen, um Ideen zu sammeln, wie ich mir in nicht so guten Zeiten Gutes tun und wieder Energie tanken kann. Daraus entstand das, was ich meine „Geschenke-Box“ nenne. In ihr sammle ich seither Ideen für kleinere und größere Auszeiten sowie Dinge, die mir guttun: Erinnerungen, Düfte, Badezusätze, Zitate, Fotos etc. Im Laufe der Jahre ist daraus ein wahrer Ideen-Schatz geworden, den ich nicht mehr missen möchte. Ideen-Blackouts können mir jetzt (fast) nichts mehr anhaben!

 

Eine Idee, viele Variationen

Wie genau sieht so eine Geschenke-Box aus? Die Antwort: So unterschiedlich wie ihre Besitzer. Meine hat die Form einer kleinen Schatztruhe. In ihr sammle ich meine Ideen. Für „Handfestes“ wie für Wellness-Artikel, Seelentröstermusik, Lieblingsschokolade & Co ist leider kein Platz. Die Erinnerungshilfen an diese Dinge befinden sich aber in meiner Schatzkiste und ich stelle sicher, dass sie immer vorrätig sind. Eine Klientin hat in ihrem Schlafzimmer ein Regal eingerichtet, wo sie ihre Ideensammlung plus Utensilien aufbewahrt. Ihr ist es wichtig, diese Dinge immer im Blick zu haben und so täglich daran erinnert zu werden, gut für sich zu sorgen. Eine Bekannte hingegen ist viel beruflich unterwegs und eine Box oder ein Regalbrett wären für sie nicht die optimale Lösung. Aus diesem Grund bewahrt sie ihre ganz persönliche Geschenke-Box in ihrem Handy auf, das sie immer bei sich trägt. Auf ihm hat sie ihre Ideen gespeichert, dazu Zitate und einen extra Ordner mit Bildern von Menschen und Erinnerungen an Ereignisse, die ihr viel bedeuten. Es ist wichtig, eine für sich stimmige Form zu finden. Viele meiner Klienten haben sich gleich zwei Geschenke-Boxen angelegt: eine große für daheim und eine kleine für unterwegs; Letzteres meist auf dem Handy und dazu noch ein paar Kleinigkeiten wie Duftöle, die gut zu transportieren sind.

 

Aus der Ohnmacht zurück in die Eigenmacht

Das Schöne an der Geschenke-Box ist, dass man aus dem Ohnmachtsgefühl („Hilfe, mir fällt nichts ein!“) rauskommt. Der Stress von außen verschwindet dadurch nicht automatisch, aber man kann der Anspannung aktiv etwas entgegensetzen, nämlich Entspannung: von der Ohnmacht in die Eigenmacht und Selbstwirksamkeit. Das Spannende dabei ist: Wenn wir uns diese Entspannung gönnen, dann ist meist auch wieder neue Energie da, um sich den Herausforderungen zu stellen. Und Lösungen zu finden. An Selbstsorge sollten wir nicht sparen, denn wer hier spart, wird über kurz oder lang an anderer Stelle zur Kasse gebeten, nämlich dann, wenn Körper und/oder Seele streiken. Die Pause-Taste zu drücken, ist eines der größten Geschenke, das wir uns selbst machen können. Und das ganz ohne Schuldgefühle, sondern, weil wir es uns wert sind!

 

Ein paar Ideen für deine Geschenke-Box

Du hast Lust, dir selbst eine Geschenke-Box anzulegen? Hier findest du ein paar Fragen, die dir beim Befüllen helfen können:

 

Welche Menschen könnten mir helfen?

  • Jemand, der gut zuhören kann:
  • Jemand, der mir helfen kann, eine Lösung zu finden:
  • Jemand, der mich auf andere Gedanken bringt:
  • Andere wichtige Personen:

Aktivitäten, die max. 10 Minuten dauern:

Aktivitäten, die max. 1 Stunde dauern:

Aktivitäten, die max. 3 Stunden dauern:

Aktivitäten für einen freien Tag (oder mehr):

Aktivitäten, die nichts kosten:

Orte, die mir guttun:

Musik, die meine Stimmung hebt:

Bewegung, die Energie gibt:

Kleidung, in der ich mich besonders wohlfühle:

Essen, das mich glücklich macht:

Zitate, Bibelstellen etc., die mich neu ausrichten:

Kraftspendende Erinnerungen:

 

 

 

 

Über die Autorin

Nicole Sturm ist ein echtes Nordlicht, verheiratet und Mutter einer Tochter. Sie arbeitet als psychotherapeutischer Coach in eigener Praxis. Mehr zu ihr und ihrer Arbeit erfahrt ihr unter www.vorwärtsleben.de

 

Bei Down to Earth hat Nicole Sturm das Quadro geschrieben:
Die Bibel entdecken. Eintauchen ins Buch der Bücher.
Für 5 Euro erhältlich im Down to Earth-Shop.

 

 

 

Headerfoto: Evan Kirby auf Unsplash

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