Dankbarkeit – die Wunder im Alltag wahrnehmen

»Lächle und sag einfach danke«, sagte eine Freundin zu mir, als ich auf ein unerwartetes Geschenk mit der Höflichkeitsfloskel »Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll!« reagierte. Lächeln und »Danke« sagen gelingt uns im Alltag häufig nicht so leicht.

Psychologen haben festgestellt, was jeder vernünftige Mensch schon bemerkt hat: Dankbarkeit wirkt sich stärkend und stabilisierend auf Körper und Seele aus. Dankbare Menschen sind weniger gestresst und depressiv. Das wäre Grund genug, für alles und jeden dankbar zu sein.

Doch die Realität sieht anders aus. Viele konzentrieren sich auf das, was sie nicht haben, und erschweren sich dadurch ihr Leben. Besser ist, man blickt auf das, was man hat. »Vergiss nicht, was er (Gott) dir Gutes getan hat!«, heißt es schon in der Bibel in Psalm 103,2. Der Autor schrieb das, weil die Menschen damals vermutlich – wie heute auch – eher auf das schauten, was ihnen fehlte, als auf das Gute, was sie vom Leben empfangen hatten. »Vergiss nicht …« ist die Aufforderung, aktiv dafür zu sorgen, dass die guten Dinge im Gedächtnis bleiben.

Ein Weg, dafür Sorge zu tragen, ist, sich regelmäßig zu fragen:
Was habe ich Gutes erlebt?
Wofür bin ich dankbar?

Dankbarkeit zu empfinden und auszudrücken kann jeder einüben. Man lernt es, indem man seine Aufmerksamkeit bewusst auf die Dinge lenkt, die schön und nicht selbstverständlich sind. Oft hilft der Vergleich mit Menschen, deren Leben weniger angenehm ist als das eigene.

Die Resilienzforschung untersucht, was Menschen Kraft gibt. Man versucht herauszufinden, wie es ihnen – trotz schwerer Schicksalsschläge – gelingt, das Leben gut zu bewältigen. Und was andere von ihnen lernen können. Ein Ergebnis: Wer sich angewöhnt, abends wenigstens fünf Dinge zu benennen, für die er dankbar ist, steigert messbar seine Lebensqualität. Noch reicher wird unser Leben, wenn wir unseren Dank auch anderen gegenüber ausdrücken. Dank tut gut und stärkt das Selbstvertrauen. Und die Beziehungen, weil Miteinander immer aus Geben und Nehmen besteht und Dank eine Möglichkeit ist, dem anderen etwas zu geben.

Ein »Danke« kostet fast nichts. Nur ein paar Sekunden und ein Lächeln. Andere Menschen können nicht wissen, ob du ihnen dankbar bist. Du musst es ihnen schon sagen. Gewöhne dir an, auch für »kleine« Tätigkeiten, die andere für dich übernommen haben, kurz »Danke!« zu sagen. Menschen zu sagen, was sie uns bedeuten, ist uns vielleicht peinlich oder wir vergessen es einfach. Doch es lohnt sich, es zu wagen. Es stärkt die Beziehung, wenn man benennen und dem anderen sagen kann, was man an ihm oder ihr besonders schätzt.

 

Auszug aus dem Buch „Leben. schlicht + ergreifend“ von Kerstin Hack.

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