7 Wochen ohne Multitasking: Zeitgewinn?!

Ich hätte es besser wissen müssen. Und eigentlich wollte ich ja so was nicht mehr tun. Beim Essen lesen. Doch dann war die Zeit so knapp, ich wollte gern noch einen Artikel lesen – also habe ich die sauer-scharfe Suppe vom Asiaten nebenbei gelöffelt. Das ging daneben. Auf die weiße Bluse und die hellblaue Jacke. Knallrot auf weiß und eisblau. Klasse. Ins Bad rennen. Fleckenspray holen – glücklicherweise ist es nicht unterwegs passiert – Waschmaschine anschmeißen, hoffen, dass das ganze wieder rausgeht. Mich umziehen.

Zeitersparnis durch diese Aktion: Minus 10 Minuten. Da hätte ich auch erst in Ruhe die Suppe löffeln und anschließend in Ruhe lesen können.  Immerhin war es besser als bei meiner Nachbarin, die neulich dachte, sie könnte zugleich einen Teller und ein Glas tragen. Und den Lichtschalter im Flur mit dem Ellenbogen betätigen. Zeitersparnis: Minus 15 Minuten.

Die trügerische Hoffnung auf Zeitgewinn

Die Hoffnung, Zeit zu sparen, ist einer der Hauptgründe, der uns zum Multitasking verleitet. Man hält sich für schlau und  meint, Zeit zu gewinnen, wenn man mehrere Dinge gleichzeitig macht. Darin stecken zwei Illusionen. Gleichzeitig stimmt nicht. Das Gehirn löst nicht gleichzeitig ein Kreuzworträtsel und führt ein Gespräch. Oder beruhigt die schreienden Kinder im Auto und konzentriert sich auf den Verkehr. Es macht die Dinge abwechselnd. Springt von einer Aufgabe zur Anderen. Und braucht zwischen jedem Wechsel 3 Sekunden Zeit zum Umschalten. Tote, ungenutzte Zeit. Wer das in 10 Minuten 10 Mal macht verliert eine halbe Minute Zeit, in der Stunde drei Minuten, pro Arbeitstag 24 Minuten. Da rede mal einer von Zeitgewinn! Das sind 24 Minuten nutzlose Umschaltzeit, die unproduktiv im Weltall verpufft!

Und man wird – auch das ist wissenschaftlich untersucht – tatsächlich langsamer. Leute die einen Text schreiben und zwischenzeitlich Emails checken sollten, brauchten für beide Aufgaben länger als diejenigen, die erst den Text schrieben und dann Mails abriefen. Wer schon mal versucht hat, ein Paket zu verpacken, einen Knoten zu lösen, ein Brett anzubringen oder sich auf eine schwierige Aufgabe zu konzentrieren, während er gleichzeitig mit jemandem ein Gespräch führt, weiß, dass das nicht gut geht. Die diffizile Aufgabe dauert länger. Und das Gespräch ist…naja.

2014-06-02 06.50.35Durch Krankheit im Team und einen anstehenden Umzug habe ich gerade ein extrem hohes Arbeitspensum zu bewältigen. Einige sehr große Schreibprojekte. Und viele koordinatorische Aufgaben. Trotz des erhöhten Pensums komme ich gut voran, kann sogar Altlasten abbauen.

Die unbeantworteten Mails sind bei Arbeitsende jetzt häufig bei Null oder maximal drei bis vier, wenn kurz vor Feierabend noch eine Mail eintrifft, deren Beantwortung mehr Zeit benötigt, als noch zur Verfügung steht. Mein Desktop, mein Computer, mein Büro und meine Wohnung wird aufgeräumter. Mein Gehirn vermutlich auch.

Ja, ich falle noch manchmal in die Ablenkfalle. Wenn ich müde bin, eine Pause brauche und das nicht schnell genug merke, dann ertappe ich mich beim Surfen im Netzt, besonders wenn ich mehrere Fenster am Computer offen habe. Aber es wird seltener. Und manchmal erlaube ich es mir bewusst, weil ein bisschen herumsurfen nach intensiver Arbeit an Texten durchaus gut tun kann.

Verbales Multitasking

In einem Artikel über die Kraft der Sprache entdeckte ich noch einen Aspekt, der mir bisher noch nicht aufgefallen war. Im Deutschen verwenden wir immer seltener echte Vergangenheits – und Zukunftsformen. Statt dessen packen wir wir alles in die Gegenwart.

„Ich mache das später!“ fühlt sich – trotz des Wortes „später“ an wie Gegenwart. „Ich werde das später tun“ rückt eine Aufgabe sprachlich und emotional dahin, wo sie hingehört.

Ich mache kann und darf der echten Gegenwart vorbeahlten sein. Ich schreibe jetzt an diesem Blog. Später – vielleicht in 15 Minuten – werde ich an einem Buchtitel weiter arbeiten. Wer schon rein sprachlich kein Multitasking betreibt, entlastet und entspannt sich.

Gleiches gilt auch für die Vergangenheit. „Vorhin schloss ich das Projekt ab.“ Schafft mehr innere Distanz als „Vorhin habe ich das Projekt abgeschlossen. Dinge, die erledigt sind, dürfen auch sprachlich in der Vergangenheit zur Ruhe kommen.

Mir ist klar: Worte haben Macht. Das Wort „muss“ habe ich schon vor Jahren aus meinem Wortschatz gestrichen. Ich muss im Leben gar nichts – nur irgendwann mal sterben. Ich will und ich werde Dinge tun. „Will“ steht für das, was ich tatsächlich gern tue: Schreiben, coachen, gestalten. Werde für die Dinge, die ich nicht so mag, aber trotzdem tun werde, weil sie mir wichtig sind: organisieren, planen.

„Ich will / ich werde!“ Das habe ich dick über meine To-Do Listen geschrieben. Allein dieses Sprachregelung hat den Stress in meinem Arbeitsleben massiv entlastet. .. Den Imperfekt für Dinge, die schon vorbei sind, werde ich mir als nächstes abtrainieren.

In ein paar Tagen ist Ostern. Dann ist das Experiment offiziell zu Ende. Es hat mir gut getan. Ich habe an Effizienz und Entspannung gewonnen. Meine Wohnung und mein Büro sehen ordentlicher aus als zu Beginn. Meine Mailbox ist regelmäßig wunderbar leer.

Keine Frage: Ich werde das Fasten vom Multitasking weiter fortführen. Und auch auf die Sprache erweitern. Weil es mir einfach gut tut!

Tipp: Online – Kurs „SAM. Seine Arbeit meistern. Entspannt und effizienz durch den Alltag gehen“.

Hier geben Senior Coach Christoph Schalk drei Monate lang in zwei Coaching-Mails pro Woche Tipps, wie man den Arbeitsalltag besser meistern kann.

Ein Teilnehmer schrieb dazu: „Besonders hilfreich waren für mich die Hinweise zu Pausen, Prioritäten, Planung und Reflexion des Geleisteten in den Sinn. Es war eine unglaublich gute Erfahrung, mal einen Tag konkret zu planen – und mich dann anhand der erstellten MindMap an der Planung zu orientieren. Ich konnte dadurch sogar Blockaden überwinden, die mich zuvor über einen größeren Zeitraum daran gehindert hatten eine Arbeit anzugehen und abzuschliessen.“

Der Kurs nächste Kurs startet 1. Montag im April, dann wieder im Juli, Oktober und Januar.

Herzliche Einladung. Am besten gleich hier anmelden.

 

Dieser Artikel ist Teil einer Serie: 7 Wochen ohne Multitasking

Teil 1: Ein Experiment

Teil 2: Spurensuche. Was verleitet uns zum Multitasking

Teil 3: Der 18 Minuten Fokus. Planung und Zwischenchecks

Teil 4: Der Körper. Die Rolle, die der Körper bei Ablenkung spielt

Teil 5: Umgang mit Email.

Teil 6: Ordnung schaffen

 

 

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